Führerscheinentzug - wie verkürzt man die Sperrfrist

Der Verkehrsrichter ordnet mit der Entziehung der Fahrerlaubnis nach einer Trunkenheitsfahrt zugleich eine Frist an, während der keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden darf.

Es gibt insoweit allerdings noch einen gewissen Gestaltungsspielraum. Wer nämlich sehr frühzeitig an einem Aufbauseminar für alkoholauffällige Kraftfahrer teilnimmt, hat die Chance darauf, daß der Verkehrsrichter die Sperrfrist verkürzt. Meist gibt es eine Verkürzung der Sperrfrist von ein bis drei Monaten.

So ist der Kurs Mainz 77 ist für Autofahrer geeignet, die erstmalig durch eine Fahrt unter Alkohol auffällig geworden sind.

Die Voraussetzungen zur Kursteilnahme sind je nach Bundesland verschieden.

Wichtig ist, daß man

  • zum ersten Mal mit Alkohol im Straßenverkehr aufgefallen ist
  • eine behandlungsbedürftige Alkoholproblematik / Alkoholkrankheit vorliegt bzw. vorlag
  • der Promillewert unter 2 Promille lag und
  • die Führerscheinakte keine anderen gravierenden Verstöße aufweist.
Vor einer Teilnahme an Mainz 77 wird in einem Vorgespräch mit einem Verkehrspsychologen geklärt, ob man alle Voraussetzungen erfüllt. Ziel dieses Vorgesprächs ist es herauszufinden, ob der Kurs für den Teilnehmer auch die gewünschte Wirkung haben kann - nämlich die Sperrfrist zu verkürzen.

Die freiwillige Teilnahme an einem solchen Seminar wird vom Gericht honoriert. - was nicht zuletzt der Verkehrssicherheit zugute kommt, weil der wegen Alkohols auffällig gewordene Verkehrssünder an sich gearbeitet hat.

Die Teilnahme an einem Aufbauseminar kann auch nach Abschluß des eigentlichen Strafverfahrens noch als erhebliche und neue Tatsache angeführt werden, die für eine vorzeitige Beseitigung des Eignungsmangels spricht.

Es besteht allerdings kein Anspruch auf eine vorzeitige Abkürzung oder auf eine nachträgliche Verkürzung der Fahrerlaubnissperre. Daher ist es vorteilhafter, wenn bereits in einem früheren Stadium des Verfahrens mit Hilfe eines Fachanwalts für Strafrecht / Fachanwalts für Verkehrsrecht die Weichen richtig gestellt werden.

Sofern ein Aufbauseminar bereits während des Strafverfahrens absolviert wird, kann der zuständige Richter bereits bei Erlaß des Strafbefehls eine kürzere Sperrfrist als sonst üblich festsetzen. Es werden aber mindestens drei Monate Sperre angeordnet werden, auch wenn die Zeit einer vorläufigen Entziehung oder seit der Beschlagnahme des Führerscheins bei der Festsetzung der endgültigen Sperrfrist mitgerechnet werden muß. Der Betroffene kann dann bereits drei Monate vor Ablauf der Sperrfrist dann eine neue Fahrerlaubnis bei seiner Führerscheinstelle beantragen.

Die Führerscheinstelle muß vor der Wiedererteilung prüfen, ob der Bewerber die notwendige Fahreignung besitzt. Auf eine neue Fahrerlaubnisprüfung wird in der Regel verzichtet, wenn seit der Entziehung nicht mehr als zwei Jahre vergangen sind. Für die Fristberechnung wird auf den Zeitpunkt der Sicherstellung des Führerscheins abgestellt. Ein Ersttäter muß in der Regel nicht mit einer Sperrfrist von mehr als zwölf Monaten rechnen.

Sofern sich Bedenken bezüglich der Eignung ergeben, muß der betroffene Antragsteller sich allerdings darauf einstellen, daß die Führerscheinbehörde in bestimmten Fällen noch ein Fahreignungsgutachten ("MPU" = medizinisch-psychologische Untersuchung) von ihm verlangt. Das ist insbesondere bei einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr oder bei Wiederholungstätern der Fall.

Auch hier ist es wichtig, mit Hilfe eines auf dem Gebiet des Verkehrsstrafrechts versierten Anwalts rechtzeitig dafür zu sorgen, nicht länger als nötig auf die Fahrerlaubnis verzichten zu müssen.



Eingestellt am 03.02.2009 von Rechtsanwalt
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